„Hau‘ die Schweiz“

„Die Welt hat ein neues Hobby: Hau die Schweiz!“; so lautet der Titel der .ch vom 21. April 2009.

Wer haut denn so alles auf die Schweiz ein, werden Sie fragen. Ich hätte auch „nur“ zwei Gründe zusammenbekommen. Es sind aber deren vier.

Zum einen war da natürlich den deutschen Finanzminister Peer Steinbrück, der ja nach einigen „Cowboy und Indianer“-Spielchen („Komm hol‘ das Lasso raus …“), jetzt zu „Peitschen Peer“ mutiert ist. Zurecht kann man sagen, dass die Engländer und Amerikaner sehr viel freundlicher mit der Schweiz umgegangen sind. Jetzt zeigt sich dann aber auch gleich wieso:
Die Briten und die Amis (verzeihen Sie meine saloppe Ausdrucksweise liebe Leser) wollten nur ihre eigenen Steueroasen (in Grossbritannien sind das Guernsey und Jersey und in den USA sind es die Staaten Delaware und Nevada) in trockene Tücher bringen.

„Sind wir denn hier die Deppen?“ fragt .ch. Nein, seid ihr / sind wir nicht. Wir sind einfach nur die kleinen Verwundeten, auf die man „einschlagen“ kann, weil sie so schutzlos sind, und weil sie so „klein“ sind. Und da die grossen Länder nun in Schwierigkeiten sind, suchen sie einen Schuldigen. Das ist nichts neues. Das haben viele Diktatoren, Staatsmänner, Regierungen und Länder immer wieder in der Geschichte getan: Wenn es im Inneren des Landes schlecht läuft, dann suchte oder erfand man sich einen Feind im Ausland, damit man die öffentliche Wut auf’s Ausland ablenken konnte. Es geschieht ja auch nicht aus Zufall, dass man gerade dann öffentlich nach Steuerflüchtlingen sucht, wenn man das Geld am besten brauchen könnte; also in Zeiten einer Krise. Zum einen ist dieses „Schweiz-Bashing“ also rein schlechtes Timing. Auf der anderen Seite kann man ja nicht wirklich abstreiten, dass viele Banken in der Schweiz und somit auch viele Schweizer erst so viel Wohlstand erlangen konnten, weil man in der Schweiz aufgrund des Bankgeheimnisses gut „Geld verstecken“ konnte; sei es vor den Steuerbehörden des Heimatstaates oder vor irgendwelchen anderen.

Und nun kommt die Affäre mit Ahmadinedschad und Merz. Natürlich haben alle anderen auch mit dem iranischen Präsidenten gesprochen, aber leider gibt es nur ein Foto, das einen lachenden, scherzenden schweizerischen Staatsmann mit dem Erzfeind von Israel zeigt.

„Sind wir die Deppen?“ Ja, die Schweiz ist im Moment der Depp.

Warum ? Die Neutralität hat sie dahin gebracht. Durch Neutralität ist man vielleicht vor kriegerischen, militärischen Übergriffen geschützt, in finanziellen „Notzeiten“ wie dieser, braucht man einen Sündenbock, auf dem man vieles abladen kann. Wenn die Rezession zu Ende geht und die mächtigen Staaten sich wieder um ihren eigenen Kram kümmern können, dann wird auch das Bashing aufhören. Das ist doch eine wundervolle Perspektive !!

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