Maschinengewehr im Tram

Dass der Ansatz der Schweizer Armee ein bisschen anders ist, als in den meisten anderen Ländern ist uns Schweiz Veteranen ja schon lange bekannt. Der Grundwehrdienst (hier Rekrutenschule oder RS genannt) dauert nur drei Monate und ab dann kann man ganz normal weiterleben. Einmal im Jahr gibt’s dann Abenteuerspiele im Matsch bei Wiederholungskursen, auch WKs genannt. Das geht so lange, bis man entweder eine bestimmte Anzahl Tage abgeleistet hat, oder ein bestimmtes Alter erreicht hat.

Das Minimum Tage, welches ein Schweizer heute ableistet sind 260 Tage und zwar ist das normalerweise bis zum 34. Lebensjahr abgegolten. Bei höheren Dienstgraden kann man schonmal bis zu 600 Tage Wehrdienst ableisten. Aber spätestens mit 50 ist Schluss mit Militärspielen. Bezahlen tut das ganze die Schweizer Wirtschaft. Denn jedes Unternehmen in der Schweiz muss seine Schweizerischen männlichen Angestellten für den Militärdienst freistellen und den Lohn weiterzahlen. Bezahlte Ferien sind das für viele.

Dadurch, dass aber die Schweizer jedes Jahr wieder in einen WK müssen und den Zeughäusern das zu dumm ist dauernd wieder Waffen und Uniformen auszuhändigen (ausser natürlich man wächst in der Breite aus einer Uniform heraus), hat jeder Schweizer seine Waffe zu Hause. Theoretisch gäbe es ja noch die Gefahr, dass die Schweiz angegriffen würde und alle Soldaten schnell in den Kampf ziehen müssten, aber, gut, das zu kommentieren ist wohl überflüssig. Auf jeden Fall sind so fast alle Schweizer Männer zwischen 18 und 34 einsatzbereit. Das sind ganz schön viele. Und da liegen ganz schön viele Waffen zu Hause 🙂

Ich wohne ja schon lange hier und habe auch häufiger Waffen in Zügen, Trams, auf der Strasse und in Bussen gesehen. Heute aber habe ich nicht schlecht gestaunt: Da sass ein junger Mann im Kampfanzug im Tram. Dazu hatte er eine riesige Tasche, die den Eingang versperrte.

Übrigens, diese Taschen haben heutzutage Räder und sind riesig. Ich habe das Gefühl, dass die auch schon mal kleiner waren. Das Problem mit diesen Taschen ist aber, dass die Jungs die tierisch vollmachen und dann ächzend hinter sich herschleppen und die Dinger auch einen Riesenkrach machen wenn man sie die Treppen rauf- oder runterzieht. So kann man durch den ganzen Bahnhof hören, wenn mal wieder ein Soldat die Treppen benutzt.

Ach ja, zurück zum Mann im Tram: Ich habe gesagt, aber Typ, dass der jetzt in die Kaserne muss und wollte über seine Tasche steigen. Dabei verliere ich das Gleichgewicht und stolpere ein bisschen und schau auf einmal in den Lauf seines Gewehrs. Ich sage Euch, das war mal ein Schreck in der Morgenstunde. Ich nehme mal an, dass da keine Kugel im Lauf war und dass sie auch gesichert war … aber schön ist so ein Anblick nicht. Gestört hat den Typen das nicht, und angeschaut hat er mich, als ob es meine eigene Schuld sei. War es ja auch … aber nur zum Teil.

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