Von Zollstock und City Beach

Über Germanisierung zur Xenophobie, „die Schweiz wird Deutscher“ und der Deutsche Einfluss. Seit Deutsche die Schweiz als Einwanderungsland in grossem Masse entdeckt haben steigen Vorurteile und Angst der schleichenden Anpassung an eine ebenso verhasste wie aber auch grösstenteils vertraute Kultur.

Und so verlegt man sich auf Kleinigkeiten,von denen man meint, sie hätten einem gross das Leben verändert.

Nehmen wir mal den City Beach. Der erste Stadtstrand in Deutschland wurde im Jahre 2002 in Berlin eröffnet. Seit dem hat sich das wie eine Epidemie ausgebreitet, aber erst im Jahr 2008 kam das Konzept der städtischen Sand-Bar in die Schweiz. Jetzt lässt sich theoretisch der Schluss ziehen, das habe was mit den eingewanderten Deutschen zu tun. Oder man müsste zugeben, dass das Konzept lediglich ein gute Geschäftsidee ist, die man auch für die Schweiz kopiert, um den Menschen ein wenig Lebensqualität zu geben. Am City Beach sind hauptsächlich Schweizer und auch die Initiatoren der Bar sind Innerschweizer und nicht Deutsche.

Ähnlich verhält es sich mit Strassencafés. Die sind ja eigentlich berühmter Bestandteil der Pariser Stadtkultur. Sicherlich findet man Strassencafés auch in Deutschland, aber als Deutsches Markenzeichen würde ich persönlich diese Art der Lebensqualität oder des Lebensgenusses nicht bezeichnen. Auch hier ist es einfach so, dass die Schweiz ein Nachzügler ist, sich einfach dem Bedürfnis der Bevölkerung langsam anpasst. Was hat das alles mit Deutschen zu tun ? Und insbesondere  mit Germanisierung ? Weil plötzlich Schweizer im Sand am See sitzen oder in einem Café am Strassenrand ?

Die Schweizerischen Bedürfnisse nach Lebensqualität sind halt verschieden oder passen sich einfach nur langsamer an. Wie sieht es denn mit der Streetparade aus ? Die ist ja schliesslich auch nur ein Abklatsch der ursprünglich Berlinerischen Loveparade.

Mohnkuchen, Weisswurst (die als Deutsch zu bezeichnen, beleidigt beide, Deutsche und Bayern), Oktoberfest (dafür gilt wohl das gleiche, wie für die Weisswurscht), Sauerteigbrot oder  Eier zum Brunch … das sind die ersten Merkmale der Germanisierung ? Mir fällt auf, das sind alles gastronomische Themen.

Heisst das die Schweizerische Esskultur ändert sich ? Ändert sie sich zum Schlechten ? Zum Guten ? Zum Deutschen ?

Natürlich ist die „Verhochdeutschung“ des Schweizerdeutschen ein valides Thema und sicher auch ein Grund zur Sorge für viele Schweizer, weil das zum Verlust nationaler Identität führen kann. Aber dann können die Westschweiz und das Tessin immer noch was beitragen.

In diesem Sinne: „Wo bleiben meine Haribos?“


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