Buch-Rezension: Exgüsi – Integrationshelfer

Und wieder versucht es jemand, mit uns Geld zu machen. Es ist ein neuer „Integrationshelfer“ auf den Markt gekommen; und dieser trägt den Namen „Exgüsi“. Dieses Buch richtet sich an Einwanderer aus Deutschland und soll denen helfen, die Schweizer so wenig wie möglich zu irritieren.

So lautet der Untertitel des Blick am Abend: „Zwei Autoren lancieren einen Knigge für Deutsche in der Schweiz – hoffentlich nützts.“ Wie bitte ? Was soll das denn schon wieder? Was soll was nützen? Die Müller-Reichens dieser Welt auszumergeln? Naja, glaube ich kaum, denn der hat ja sehr klar gesagt, dass ihm der Blick zu niveaulos ist.

Ich schenke Euch hier ein paar Auszüge aus diesem wirklich wertvollen Buch:

Meinen Sie nicht, Sie sprächen Schweizerdeutsch, indem Sie an alles und jedes ein „li“ anhängen.

Dann schaue ich mir einfach einen Artikel von der Kultbloggerin Katja Walder an und was sehe ich da? Sie schreibt Hochdeutsch und benutzt so illustre Worte, wie MüesLI, SchogGI, GipfeLI und GuetzLI. Und Ihr wollt mir erklären, dass das „li“ nicht Schweizerdeutsch ist?? Hmm, es ist ja nur essen, aber so ein „li“ hinten dran ist doch schon mal ein Anfang.

Zählen sie niemals versehentlich die Schweiz zur EU und heissen Sie einen Beitritt zu EU nie gut.

Ich finde, Ihr solltet das ein bisschen differenzierter sehen: Zum einen ist die Schweiz dem Schengen-Abkommen der Europäischen Union beigetreten. Das hat noch nicht einmal Grossbritannien gemacht; und die sind immerhin schon mehr als 30 Jahre Teil dieser illustren Gruppe, die sich heute EU nennt. Und im Rahmen der Rumpeleien von Peitschen Peer hat die Schweiz gar grosse Schritte zur Abschaffung des Bankgeheimnisses gemacht.

Auf der anderen Seite gibt es immer grössere Teile der Schweizerischen Bevölkerung, die einen Beitritt zur EU gut finden. Natürlich sind deutschsprachige Zeitungen an die Deutschschweiz gerichtet. Logisch! Aber, die Autoren eines solchen Buches könnten ja auch mal in sofern unterscheiden, dass gerade die Westschweizer einen Beitritt zur EU gar nicht so schlecht fänden. Die haben übrigens auch nicht so grosse Berührungsängste mit den Franzosen, aber das ist mal wieder ein anderes Thema.

Erklären Sie nicht ständig, wie dies oder jenes in Deutschland funktioniert (und womöglich noch besser funktioniert)

Ja, und warum nicht? Man kann doch mal von besseren lernen, wenn es denn wirklich besser ist.

Halten Sie Ihre eigene Meinung nicht für der Weisheit letzter Schluss. Sagen Sie: „Ich finde das sehr gut.“ und nicht „das ist sehr gut.“

Ihr Dubbel!! Meint Ihr, dass sei wirklich nur ein „Problem“ der Deutschen? Meint Ihr, das würden alle Deutsche so machen ? Oder die Mehrheit? Meint Ihr ein Ackermann (also ein Schweizer in Deutschland) würde das nicht genauso machen, wie hier oben beschrieben?

Versuchen Sie nicht, Schweizerdeutsch zu sprechen – es sein denn, Sie beherrschen es vollkommen.

Hahahaha, jetzt machen die Autoren aber einen wirklich guten Witz. Sollen wir den Schweizern sagen: „Sprecht kein Hochdeutsch, ausser Ihr sprecht es perfekt“?? Ehrlich ? Mensch, Mensch, Mensch, dann dürften die Schweizer mit uns Deutschen ja gar nicht mehr kommunizieren … weil, wirklich Hochdeutsch kann doch vielleicht gerade mal ein Viertel.

wenn überhaupt. Aber wir Deutschen finden das sympathisch, wenn jemand ein bisschen mit Akzent spricht. Er oder Sie bemüht sich wenigstens.

Die Franzosen sind auch zuhöchst arrogant, wenn man ihre Sprache nicht spricht. Wenn man sich aber bemüht und es schafft, wenigstens ein paar Sätze oder Worte verständliches Französisch rausbringt, dann tauen sie auf und können sogar sehr freundlich sein. Oder hört Euch mal die ganzen Einwanderer vom Balkan an oder die anderen Secondos. Ja, die sprechen Schweizerdeutsch, aber was für eins. Und darüber beschwert sich niemand ? Das ist OK ?

Wenn Ihr, liebe Schweizer, eine Integration wollt, dann müsst Ihr einfach dadurch. Wie soll man eine Sprache (oder Dialekt) denn lernen, wenn man von 0 auf 100 in einem Schritt gehen soll … und das ohne über 10, 20 und 50 zu gehen. Also Deutsche, rein ins Kämmerlein und fleissig üben, und dann mit perfektem Schweizerdeutsch wieder rauskommen.

Hören Sie auf, über die hohen Preise in der Schweiz zu jammern.

Warum nicht? Tun die Schweizer ja auch … insbesondere über die hohen Wohnungspreise … ach ja, und laut Schweizer Boulevardpresse sind ja gerade die Deutschen daran Schuld. Hmm…

Das Buch gibt es zwar ab Ende August 2009 zu kaufen, aber ich würde Euch raten, lest lieber didsch.ch … da habt Ihr mehr davon.


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