Mitarbeitende Mitarbeiter

Neulich lief ich an den Büros von Deloitte vorbei. Deloitte ist eine grössten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die es so auf der Welt gibt. Wirtschaftsprüfer sind diejenigen, die schauen, ob in den Buchhaltungen von Unternehmen auch noch mit rechten Dingen zugeht; ob man dort versucht irgendwas zu fälschen oder die Öffentlichkeit zu betrügen. Dass das nicht immer funktioniert, hat man an den grossen Skandalen um Firmen wie Enron und Worldcom gesehen.

Die Menschen, die bei Firmen, wie Deloitte arbeiten, nennt man auf Neudeutsch „Professionals“: meist sehr gut bezahlt, meist gut ausgebildet und auch gut angezogen (also das heisst natürlich vom Prinzip her … ob man die Farbenkombination von Anzug, Krawatte und Hemd mag oder nicht, sei hier jedem selbst überlassen). Bei Deloitte bekommen die Angestellten aber auch den Hinterausgang zugewiesen. Schaut mal hier:

Zuerst habe ich ja nur ein bisschen über das Schild gelächelt. Bei einer Beratungsgesellschaft hatte ich einfach nicht erwartet, dass man einen Hintereingang für Angestellte einrichten würde, aber vielleicht möchte die Geschäftsleitung verhindern, dass man die Angestellten dort sieht, erkennt oder anspricht.

Dann habe ich mein Gehirn eingeschaltet (ja, das geht bei mir manchmal erst nach dem Fotografieren) und mir ist das Wort „Mitarbeitende“ aufgefallen. „Mitarbeitende“ , das Wort ist, wenn man es grammatisch betrachtet,ein Partizip Präsenz, welches man normalerweise als Adjektiv verwendet. Hier wird es als normales Substantiv genutzt. Ich will Euch jetzt nicht mit zuviel grammatikalischem Gesülze die Ohren füllen, aber das ist eher ungewöhnlich.

Auf meiner Google Recherche habe ich dann geschaut, wo das Wort überhaupt verwendet wird und da sind’s dann auf den ersten paar Suchseiten ausschliesslich Websites aus der Schweiz.

Das muss also wirklich ein rein Schweizerisches Phänomen sein. Oder heisst das, das in der Schweiz die Mitarbeiter auch wirklich mitarbeiten ? Also mitarbeitende Mitarbeiter sind ? Bedeutet das, dass Schweizer Chefs Ihren Angestellten von vorneherein zutrauen, kräftig „mitzuarbeiten“. Und tun das die Deutschen im Hochdeutschen eher nicht? Wenn man die Arbeitslosigkeit in beiden Ländern vergleicht, dann müsste man ja fast davon ausgehen, dass ein so positives Grundverständnis der Arbeitgeber gegenüber den Arbeitnehmern auch gleich zu höherer Beschäftigung führt.

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