Stehen, Rennen, Laufen

Repost vom 15.Mai 2009

Endlich kann ich mal über was schreiben, was mir wirklich am Herzen liegt. Etwas, was mir jeden Tag auffällt und worüber ich jeden Tag den Kopf schüttele.

Die Leute in Zürich stehen weniger, aber sie rennen und sie laufen und das hauptsächlich nach Bussen, Trams (so heissen Strassenbahnen in der Schweiz) und Zügen. Naja, der Schweizer an sich, ist ja wirklich sehr pünktlich. Die Bahnsteige (hier auch Perrons genannt) sind schon gute 10 Minuten vor Ankunft des Zuges proppenvoll. Dabei wird man als aussteigender Passagier schon fast über den Haufen gelaufen. Unverständlich, weil der Zug ja noch mindestens 5 Minuten steht, aber hier geht es natürlich darum den besten Platz zu erwischen. Natürlich sucht sich jeder eine

Vierersitzgruppe und belegt diese mit möglichst vielen Taschen, damit sich bloss niemand daneben setzt. Aber wenn natürlich zu viele Leute in den Zug einsteigen, dann sitzen auch manchmal vier Leute in einer Vierergruppe. Bevor man sich hinsetzt muss man natürlich immer brav den schon dort Sitzenden um Erlaubnis fragen, der dann nur widerwillig Platz macht.

Es ist jetzt 3 Minuten vor Abfahrt des Zuges. Der Perron ist natürlich schon leer, weil alle reingestürmt sind, als ob es drinnen was gratis geben würde. Jetzt sieht man rennende Gestalten, und nicht nur eine. Viele! Hier jetzt eine kleine Frage: Angenommen Du bist zu spät. Du beeilst Dich, um den Zug noch rechtzeitig zu erwischen. Welchen Eingang nehmt Ihr? Also, ich würde den ersten nehmen. Aber nicht doch hier. Die Leute rennen und rennen, sie laufen und laufen, um den Eingang des 2.Klasse Wagens zu erwischen, weil das das Ticket ist, was sie gelöst haben. Irrationales Verhalten ?

Aber jetzt kommt das Verrückteste: Da steigt eine ältere Dame ins Tram oder in den Zug ein. Ganz nah am Eingang ist ein Platz frei. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Dame sich auf diesen Sitz setzt ? Ich sage Euch: Nicht sehr hoch. Obwohl das Tram (ja, Neutrum, „das“) schon wieder anfährt und die Dame nicht sehr sicher auf den Beinen ist, so wird sie doch in den meisten Fällen weiterlaufen; und das entweder auf der Suche nach mehr Platz (also wieder einer freien vierergruppe, oder um einen Platz an dem Ausgang zu erwischen, der für sie zum Ausstieg optimal ist. Das ist halt Schweizerische Effizienz. Es wird keine Minute vergeudet, selbst der Ausstiegsweg wird optimiert 🙂 Und wenn das einmal im Blut ist, dann geht das auch nicht wieder raus, egal, ob das gut für die Gesundheit ist, oder nicht.

PS: Bis jetzt habe ich noch nie eine ältere Person wirklich fallen oder sich verletzen sehen … Aber bei manchen Manövern wurde mir Angst und Bange.

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