Diskriminierung von Schweizern in Deutschland

Ich war über’s Wochenende mal wieder in meiner alten Heimat und wollte die Infrastrukturverhältnisse des Rheinischen Beckens ein bisschen austesten. Also bin ich abends mal von Bonn nach Köln gefahren und habe dort einen sehr tollen Abend mit Freunden verbracht.

Ich war natürlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, weil ich ja nicht betrunken Auto fahren wollte. Zugegebenermassen bin ich ein bisschen hektisch am Bahnhof angekommen und versuchte ein Ticket zu lösen. Das ging aber nicht. Weder mit meiner EC noch mit meiner Kreditkarte. Also stieg ich ohne Fahrschein in die nahende Eisenbahn ein in dem Bewusstsein, dass zum einen nur sehr selten Kontrolleure mitfahren und zum zweiten, dass ich wirklich alles gegeben hatte, um an ein Ticket ranzukommen.

Wie das Leben aber so spielt, es waren Schaffner im Zug. Und die wollten natürlich auch meinen Fahrschein sehen, den ich Ihnen nicht zeigen konnte.

Dann aber wurden die Jungs ungemütlich und wollte 40 Euro von mir. Ich antwortete ihnen, dass ich so viel Bargeld nicht bei mir habe. So wollten die beiden Jungs (Herren mittleren Alters) meinen Ausweis von mir sehen, um mir einen netten Brief zu schicken. Naja, einen Ausweis hatte ich natürlich dabei. Aber nur eine schweizerische ID.

Im Gegensatz zum deutschen Perso steht auf der schweizerischen ID keine Adresse drauf. Das fanden die beiden Schaffner nicht cool und sagten mir, ich müsse nun entweder 40 Euro bezahlen, oder an der nächsten Haltestelle aussteigen, dort ein Ticket kaufen und mit dem nächsten Zug weiterfahren (eine Stunde später !!). Ach ja, alternativ könne ich ja auch noch Taxi fahren.

Ich erwiderte, ich hätte doch alles versucht um an einen Fahrschein heranzukommen und es sei doch nicht meine Schuld, dass Ihre Automaten meine Karten nicht akzeptierten, sagten Sie, dass Sie dann wohl die Polizei rufen müssten, um meine Personalien festzustellen. Das sei aber sehr teuer.

„Nun gut“, erwiderte ich. „Wenn Ihr Jungs meint, dass Ihr nicht daran Schuld seid, dass ich keine Fahrkarte kaufen konnte, wenn Ihr nicht wollt, dass ich am Endbahnhof eine Karte kaufe und diese Euch gebe, und wenn Ihr meint, dass ein deutscher Perso mehr Wert ist als eine schweizerische Identitätskarte, dann solltet Ihr in der Tat die Polizei rufen. Die wird sich nämlich freuen, einen Vortrag über den Schengen Vertrag zu hören. Insbesondere hätten die total Lust gehabt, sich nachts um 3 auf eine Diskussion über die Diskriminierung von Schweizern in Deutschland einzulassen. Schmunzelnd überlegte ich mir, ob ich mir auch vorstellen könnte, den Europäischen Gerichtshof anrufen könne, um diese Sache dann mal endgültig zu klären … wozu lese ich denn nutzlose Anwalts-Schundromane 🙂

Mit diesen Worten liessen die Schaffner von mir ab, um die anderen Fahrgäste zu belästigen. In Bonn angekommen wartete ich vergeblich auf die Polizei und auf die Konversation, die ich bis dahin schon völlig ausgearbeitet hatte. Die Zugbegleiter taten so, als sähen sie mich nicht, als ich an ihnen vorbeilief.

So spazierte ich die 10 Minuten Nach-Hause-Weg allein und adrenalinbeladen durch die nächtlich-ausgestorbene Stadt.

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