Diskriminierung von Reichen in der Schweiz

Hättet Ihr das gedacht ? Normalerweise sollte man ja eigentlich denken, dass hier vieles gerechter zugeht als in anderen Ländern. Von all dem, was man so über die Schweiz weiss, sollte man doch annehmen, dass alles kapitalistischer ist. Damit meine ich, dass Reiche und Arme zumindest gleich behandelt werden. Von sozialistischen Tendenzen keine Spur. Oder?

Weit gefehlt!! Das Gesetz erlaubt ausdrücklich die Schlechterstellung Besserverdienender im Strassenverkehr. So kann es dann geschehen, dass ein Gutverdienender sehr schnell zum Verbrecher wird, wenn er zu schnell fährt, während ein Arbeitsloser bei gleichem Vergehen mit einer relativ kleinen Geldbusse bestraft wird.

Wie geht das denn, fragt Ihr Euch? Ganz einfach, ab einer gewissen Grenze werden Sünder nach Ihrem Einkommen bestraft, d.h. je höher der Lohn, desto höher auch die Strafe. Eigentlich macht das ja auch Sinn: Wer viel verdient, der kann auch mehr bezahlen. Und da so eine Strafe ja auch wehtun soll, weil sie ja auch schliesslich eine „erzieherische“ Wirkung haben soll, ist es ja verständlich, jeden nach seinen Möglichkeiten zu bestrafen.

So weit so gut. Jetzt gibt es dann nur ein kleines „Problem“: Ab einer bestimmten Strafhöhe (ich glaube, das sind CHF 5 000) gilt ein Mensch als vorbestraft.

Während ein schlechter Verdienender durch kein Verkehrsvergehen eine solche Strafhöhe erreichen kann, ist das bei den Reicheren schon mal drin. Und, wenn man einen Eintrag im Strafregister hat (so ein Eintrag verfolgt einen über 10 Jahre – schweizweit), dann wird vieles schon mal weit unangenehmer … sei es die Wohnungssuche, die Jobsuche, der Eintritt in einen Golfclub, usw.

Also, zwei Menschen begehen den gleichen Verkehrsdelikt. Während der eine mit einer kleinen Geldstrafe belegt wird, zahlt der andere ein Vielfaches UND ist noch straffällig geworden.

Da fehlt es dann an meinem Sinn für Gerechtigkeit. Ich könnte mich damit abfinden, Reichere eine höhere Strafe aufzubrummen als Ärmeren. Aber die Reicheren dann gleich noch zu Straffälligen zu machen. Hmmmm … Aber genau das hat der Bundesrat in der letzten Woche bestätigt.

Es gibt natürlich den einen oder anderen Grund, der dieses Vorgehen rational macht:

Haben Reichere eine grössere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft? Müssen diese als Vorbilder gelten? Ob das ausreicht, Menschen vor dem Gesetz mit all seinen Konsequenzen „ungleich“ zu machen halte ich zumindest für äusserst fragwürdig.

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