Schon wieder Gummihälse

Also Leute, leider ist die Schmusezeit schon wieder vorbei, denn ich habe mich durch den deutschsprachigen Blätterwald gewälzt, um Euch mit den besten Anekdoten, schrägsten Ereignissen und grössten Lachern oder Ärgernissen zu versorgen.

Diesmal bin ich auf eine Seite gelangt, die ich bisher für didsch noch nie gross beachtet habe. Das war ein Fehler, wie sich für mich jetzt rausgestellt hat.

Weil für die Financial Times Deutschland schreibt eine Kolumnisten über das, was ihr hier in der Schweiz so widerfährt. Und das, was mich ziemlich beruhigt hat, ist, dass meine Sicht der Dinge, sich von Ihrer Sicht der Dinge nicht so wahnsinnig unterscheidet.

Also, hier also mein neuester „Star“ am Himmel der „Deutsche in der Schweiz“ Kolumnisten, die ich Euch hier und jetzt gerne vorstellen würde: Wäis Kiani:

Wäis Kiani ist Schriftstellerin …  und Kolumnistin … und für ihre direkten, floskellosen Kritiken bekannt. Sie verbrachte ihre Jugend in Deutschland und in Teheran, und die Neunziger komplett in den besten Clubs von München, Berlin, London und Ibiza. … Im Frühjahr 2010 erscheint ihr nächstes Buch: eine Erzählung über Menschen, Mythen und Metamorphosen zwischen Teheran, Deutschland und der Schweiz. Wäis Kiani lebt seit drei Jahren in der Schweiz. Aber Coinstar Money point nicht mehr lange. (Quelle: FTD)

An Wäis Kiani bin ich gelangt, als ich Artikel zum Thema Gummihälse googelte und schwups-di-wups, da war Ihr Artikel „Grüezi Gummihälse„. Naja, dass sich Wäis darüber auslässt, dass man in der Schweiz eine Vignette am Fahrrad braucht (die auch eine Haftpflichtversicherung ist) ist mal das eine. Dass sie Geschwindigkeitsübertretungen hier zu teuer findet, ist auch nicht verwunderlich. Was Sie aber von Bruno Ziauddin, dem Autor eines Buches mit dem selben Namen, wie Ihr Artikel, zu erzählen hatte, deckt sich eigentlich mit den gängigen Erfahrungen, von denen hier wohl jeder berichten kann.

Das Buch „Grüezi Gummihälse“ wird auf Amazon folgendermassen angepriesen:

Hilfe, die Deutschen kommen!
Sie kommen in Scharen, sprechen laut und wissen alles besser. Immer mehr Deutsche leben und arbeiten in der Schweiz und machen sich dabei unbeliebt. Den Spitznamen Gummihälse haben sie sich eingebrockt, weil sie unentwegt nicken, wenn der Chef etwas sagt. Mit viel Humor wirft Bruno Ziauddin einen Blick auf die teutonischen Gastarbeiter und erzählt vom Kampf der Kulturen in den Alpen.

Eigentlich sollte man denken, dass der Autor ein toleranter, humorvoller und gutmütiger Mensch sei und eigentlich doch wohl ein Herz für seine Hochdeutschen Mitbürger habe. Wäis Kiani aber weiss zu berichten, dass der Herr Ziauddin eigentlich ein verkappter Deutschenfeind ist. Und das trug sich in dem Treffen zwischen ihm und Wäis Kiani wie folgt zu:

Ich fuhr mit der Tram, kam sieben Minuten zu spät und wurde von dem natürlich schon wartenden Autor auf Schweizerdeutsch begrüßt. „‚tschuldigung, ich versteh kein Schweizerdeutsch, können wir bitte Hochdeutsch sprechen“, grinste ich freundlich. „Schon drei Jahre hier und kein Schwiizertüütsch? Wie geht das? Keine Sprachbegabung?“ „Doch“, konterte ich, „für Sprachen schon.“ Die Stimmung war im Keller.

Anscheinend verstehen die anscheinend so ironischen, humorvollen Schweizerischen Autoren, die sich mit Ihren nördlichen Nachbarn auseinandersetzen dann doch keinen Spass, oder können nicht über sich selber lachen.

Was mich dann aber wieder wirklich zum Lachen gebracht hat, war, dass Wäis sich dann in Rage geredet hat, genauso wie ich das hier an diesem Orte auch immer mal wieder tue. Eigentlich hat sie aber Recht, wenn sie schreibt:

Ich erzählte dem Autor von Volksverhetzung, und dass ich immer gedacht hätte, Deutsche seien Rassisten. Erst in der Schweiz hätte ich begriffen, wie lieb und gastfreundlich Deutschland sich seinen Ausländern gegenüber verhalte. Der Autor sagte dazu natürlich nichts. Ich stellte die These auf, dass in einem Land, in dem seriöse Zeitungen das Schweizer Kulturgut gefährdet sehen, weil in Zürich ein Bäcker Sauerteigbrot backt, keine Freundschaft zwischen den Völkern entstehen kann. Er wischte sie mit einem Achselzucken weg.

didsch bleibt dran !!

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