Schweizer Minarette in Quedlinburg

Am 29.November gibt es mal wieder einen Tag lauter Abstimmungen für die Schweiz. Eine dieser Abstimmungen ist die über das Verbot vom Bau von Minaretten.

Auf www.parlament.ch wird die Initiative wie folgt beschrieben:

Die Initiantinnen und Initianten wollen den Bau von Minaretten in der Schweiz verbieten, da diese Bauten ihrer Ansicht nach Symbole eines religiös-politischen Machtanspruchs sind, welcher die Bundesverfassung und die schweizerische Rechtsordnung in Frage stellt.

Die linken Parteien wollen gegen diese Initiative stimmen. Die rechten Parteien (wie auch die Eidgenössische Demokratische Union – EDU) wollen sie annehmen. Die EDU begründet das mit folgenden Argumenten:

Das Verbot von neuen Minarettbauten in der Schweiz will die Ausbreitung der islamischen Ideologie, dazu ge- hört auch das islamische Gesetz «Scharia», eindämmen. Der Islam verdrängt einerseits zusehens die christlich-abendländischen Werte wie Freiheit, Gleichberechtigung, Religions- und Redefreiheit, Toleranz und Wertschätzung des Individuums und lehnt anderseits Jesus Christus als wahren Gott ab.

Um für Ihre Position zu werben hat die EDU Poster drucken lassen. Diese Poster sehen so aus:

Quelle: EDU

Quelle: EDU

Irgendjemand schlaues hat dieses Plakat gesehen und ist aufgefallen, dass dieses Foto nicht etwa in Herisau oder Appenzell aufgenommen wurde (wie man wohl glauben machen will), sondern in Quedlinburg gemacht wurde. Quedlinburg liegt zwischen Hannover und Leipzig in Sachsen – Anhalt und hat 21 500 Einwohner. Die Stadt wurde erstmals im 9.Jahrhundert urkundlich erwähnt. Seit 1994 steht die Stadt auf der UNESCO Liste des Weltkulturerbes.

Da wollte dann doch tatsächlich eine rechte Schweizerische Partei (sprich patriotisch / nationalistisch angehaucht) der Schweizerischen Bevölkerung eine Deutsche Stadt als eine Schweizerische verkaufen?

Wie kann man denn sich bloss so einen Patzer leisten? Aber darin sind die Schweizer ja ohnehin nicht so genau. Erinnert Ihr Euch an die McDonalds Werbung? Da hat die Werbeagentur doch tatsächlich versucht, dem Schweizerischen Konsumenten eine österreichische Kuh als eine Schweizerische unterjubeln … oh je, war das peinlich.

Naja, zurück zu der EDU: Also, zum einen gibt es in der Schweiz keine solche Fassade, wie auf dem Poster zu sehen, sondern diese steht in Deutschland. Zum zweiten steht auch in Quedlinburg kein Minarett und dort ist – nach meinen Informationen – auch keins geplant. Die Fotomontage kann so noch nicht mal als abschreckendes Beispiel dienen, weil sie jeglichem Wahrheitsgehalt entbehrt.

Als Basis für die Fotomontage diente das Hotel Theophano (auch ein sehr deutscher Name). Nach verschiedenen Informationen überlegen die Betreiber des Hotels, die EDU zu verklagen; wegen schwerem Missbrauch.

Der EDU-Präsident Hans Moser (der hat wenigstens einen sehr sehr Schweizerischen Namen – gut so für eine nationalistische Partei) rechtfertigt sich, er wolle ja keinen Schweizerischen Ort diffamieren. Was liegt da näher als einfach eine deutsche Stadt zu nehmen? Sind ja eh die besten Opfer …

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