Sport Tip: Hornussen

Vielen Dank für die Beschreibung an Nachbarsport.de

Hornussen ist eigentlich ganz einfach:

Ein Spieler versucht eine Kunststoffkugel, die „Hornuss“ oder „Nouss“, mit einem etwas abenteuerlich aussehenden Schläger soweit wie möglich zu schlagen. Die gegnerische  Mannschaft hingegen versucht die Hornuss während des Fluges mit der so genannten „Schindel“, die in der Tat an eine Art Schneeschaufel erinnert, noch vor dem ersten Bodenkontakt abzufangen. Wie jedoch so häufig im Sport steckt hinter dem, was bei
Profis so locker und leicht ausschaut, eine ausgefeilte Technik, die man nur durch langes Training erlernen kann.

Vom Kriegsspiel zum Freizeitsport

Seinen Ursprung hat das Hornussen in der Zentralschweiz, genauer gesagt in einer Gegend, die den meisten durch ihren Käse bekannt ist: Das Emmental. Schon im 17. Jahrhundert wurde das Spiel erstmals erwähnt. Ursprünglich wurde der heute zivile Zeitvertreib als eine Art Kriegsspiel angesehen. Der Schläger war dabei der Angreifer und die Hornuss das Geschoss, welches von den verteidigenden Truppen abgewehrt werden musste. Einige Historiker sehen die Sportart sogar als Symbol für die wehrhafte Schweizer Demokratie. Fest steht auf jeden Fall, dass damals wie heute die Mannschaftsleistung wichtiger war als das Können des Einzelnen. Daher war Hornussen seit jeher ein Sport, der Menschen verschiedener Alterstufen und sozialer Schichten verbunden hat.

Heute wird Hornussen vor allem in den deutschsprachigen Kantonen Aargau, Solothurn und Bern gespielt. Darüber hinaus ist es kaum bekannt. Lediglich in Südafrika gibt es einige Vereine, die von Auswanderern gegründet wurden und die alljährlich die weite Reise zum Eidgenössischen Hornusserfest antreten, um sich mit den Schweizer Mannschaften zu messen.

Obwohl Hornussen eine Mannschaftssportart ist, lautet das Motto während des Spiels ständig: „Einer gegen Alle – Alle gegen Einen“. Denn ein einzelner Schläger sieht sich immer der kompletten gegnerischen Mannschaft gegenüber. Diese besteht je nach Spielklasse aus 16 oder 18 Spielern. Jeder Spieler muss pro Durchgang (davon gibt es zwei pro Spiel) jeweils zwei Schläge, unter Hornussern „Streiche“ genannt, ausführen. Dafür hat er jedoch nur vier Schlagversuche.

Ausrüstung und Spielfeld

Dass es, insbesondere für weniger geübte Spieler, gar nicht mal so einfach ist, die Hornuss richtig zu treffen, offenbart ein Blick auf den Schläger. Der „Stecken“ besteht aus einem zwei bis drei Meter langen, flexiblen Schaft aus Kunststoff, Fieberglas oder Kohlefaser. An dessen Ende befindet sich die Schlagfläche, das „Träf“, welches aus Buchen- oder Ahornholz besteht.

Zum Abschlag wird die Hornuss mit einem Stück Lehm auf dem „Bock“ befestigt. Diese Metallkonstruktion dient gleichzeitig auch als Führungsschiene für den Stecken und erleichtert das Abschlagen.

Zielgebiet der Hornuss ist das „Ries“. Dieses Spielfeld beginnt 100 Meter hinter dem Abschlagpunkt. Es ist trapezförmig und mit 200 Metern zwar recht lang, jedoch relativ schmal. Die Breite beträgt vorne nur acht Meter, am hinteren Spielfeldrand sind es knapp 15 Meter. Der Schläger muss also genau Maß nehmen, denn landet die Hornuss außerhalb des Ries’, gibt es keine Punkte. Erreicht sie hingegen das Zielgebiet, so hängt die Punktzahl von der erzielten Weite ab. Bei 100 Metern Flugweite gibt es einen Punkt, für alle weiteren zehn Meter jeweils einen Punkt mehr. Ein Schlag auf 180 Meter bringt demnach neun Punkte.

Die Spieler der abwehrenden Mannschaft versuchen den Flug der Hornuss mit ihren Schindeln aufzuhalten. Diese bestehen aus einer 60 mal 60 Zentimeter großen Holzplatte mit einem Holzstiel und sehen einer Schaufel nicht unähnlich. Die Hauptaufgabe der Mannschaft im Ries ist, die Hornuss vor dem ersten Bodenkontakt „abzutun“, also mit der Schindel zu berühren. Gelingt dies nicht, erhält die schlagende Mannschaft eine „Nummer“. Das Team, welches am Ende der Partie die meisten Nummern hat, gewinnt. Erst bei Gleichstand in dieser Wertung werden die Weitenpunkte herangezogen.

Scharfer Schuss

Auch die Wissenschaft hat sich mit dem Hornussen beschäftigt und dabei Erstaunliches festgestellt. Physiker der Eidgenössischen Technischen Hochschule stellten bei Versuchen fest, dass die ehemals kriegerischen Anwandlungen des Spiels gar nicht so weit hergeholt sind. Denn die Hornuss kann sich wahrlich zum Geschoss entwickeln. Bei einem perfekten Treffer kann sie über 300 Meter weit und bis zu 70 Meter hoch fliegen. Beim Abschlag wurden Geschwindigkeiten von über 300 km/h gemessen, und selbst beim Aufprall auf die Schindel hatte die Hornuss noch bis zu 160 Sachen drauf. Nicht schlecht, oder ?

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