Nachwort zum Tod von Robert Enke

An dieser Stelle erschien gestern ein Artikel zum Tod uns Selbstmord von Robert Enke. Eigentlich ist dies ja kein Thema, das wirklich das Deutsch – Schweizerische Verhältnis bestimmt oder gar beeinflusst. Es war mit aber einfach mal ein Bedürfnis, das Ganze aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und sich zu fragen, warum das eine solch grosse Hysterie nach sich gezogen hat.

Ausserdem war es schockierend, welch heftige Reaktionen mein Artikel nach sich gezogen hat. Und ganz ehrlich, diese Reaktionen waren durchweg negativ. Da es ja nicht in meinem Sinne war, irgendwen zu verletzen, habe ich dann später gestern abend beschlossen, den Artikel wieder von meinem Blog zu nehmen. Trotzdem möchte ich Euch noch einmal die Thesen unterbreiten, die meines Erachtens einfach doch kritisch sind und an denen man nicht einfach vorbeigehen sollte:

  • War es „sensibel“ von Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff Robert Enke einen sensibelen Menschen zu nennen? Immerhin hat er durch die Art seines gewählten Freitodes nicht nur das Leben zweier Zugführer für immer zerstört. Auf der anderen Seite verlässt er eine Frau und ein Kind, die ihm immer zur Seite gestanden sind. Wird Frau Enke wohl irgendwann vergessen, einen neuen Mann kennenlernen und von der Hinterlassenschaft ihres Mannes leben? Warum wählte er den Tod anstatt sich in eine geschlossene Anstalt einliefern zu lassen, wie etwa Sebastian Deisler?
  • Warum erzeugt sein Tod eine solche Hysterie in Deutschland? Warum müssen 45 000 im Stadion trauern? Warum? Weil sie einen geliebten Menschen verloren haben? Weil sie Angst haben, dass Hannover 96 ohne Robert Enke absteigt? Oder nur aus Sensationsgier?
  • Warum sollten Fussballvereine oder der Profisport umdenken? Warum sollte man Rücksicht nehmen, wenn ein Profisportler unter Depressionen leidet und deswegen seinen Sport nicht mehr ausüben kann? Wenn ein Schreiner seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, wegen einer Krankheit, dann muss er auch seinen Beruf wechseln oder nicht? Immerhin sollte man ja denken, dass Profisportler genügend Geld verdienen.

    Der Grund, warum sie so viel Geld verdienen ist ja, weil sie unter so einem hohen Druck stehen. Wenn Sie diesem Druck nicht standhalten können und krank werden, dann sollten sie was anderes machen. Wie wir alle „normalen“ Menschen auch. Oder sehe ich da irgendwas falsch?

Das hier sollen Thesen sein, die man einfach mal diskutieren sollte, ohne sie einfach als Schwachsinn abzutun. Natürlich ist der Tod eines Torhüters der deutschen Fussballnationalmannschaft kein alltägliches Geschehnis. Aber unreflektiert zu trauern und den bösen Profisport anzuschwärzen ist zu einfach … meine ich.

Die schweizerische Weltwoche setzt sich in seinem Artikel „Kult um einen Selbstmörder“ auch eher kritisch auseinander.

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