Wettskandal und Thierry Henry

Ich weiss, ich weiss, ich schreibe schon wieder über Fussball und Euch mag das mittlerweile echt langweilig sein. Ich allerdings schreibe jetzt gar nicht wegen des Fussballs, sondern weil in den letzten Tagen genau dieses Thema wieder mal die Schlagzeilen dominiert hat und ich natürlich auch noch mein Fett dazu geben möchte.

Ausserdem sitzen diesmal auch wirklich alle mit im selben Boot. Dieser Wettskandal umfasst nämlich Deutschland und die Schweiz. So werden Unbeteiligte mal wieder betroffen gemacht. Also, mal von Anfang an:

Vor ein paar Jahren wurde bekannt, dass der deutsche Schiedsrichter Robert Hoyzer einer Betrügergruppe geholfen hatte, verschiedene Spiele in Deutschland zu manipulieren. Jetzt wurde bekannt, dass die Bochumer Staatsanwaltschaft jetzt nicht nur ein paar Einzelfälle aufgedeckt hat, sondern dass diese Wettmanipulation bzw der Wettskandal sich über 200 Spiele in mindestens 10 Ländern erstreckt hat.Dazu gehören auch Spiele der Champions League und des UEFA Cups.

Also geht es um Spiele, in denen es um eine ganze Menge Geld ging … und das nicht nur für die, die Wetteinsätze getätigt haben, sondern auch für die Vereine.

Vor ein paar Tagen, da spielte Frankreich gegen Irland in der WM Qualifikation. Die Iren hatten den 1-0 Rückstand aus dem Hinspiel wieder wett gemacht und hatten es bis in die Verlängerung geschafft. Da kam ein Ball tief in den Strafraum auf Thierry Henry. Henry nahm den Ball an und startete Richtung Torauslinie. Aber anstatt den Ball regelgerecht weiterzuführen, nahm er die Hand zu Hilfe … nicht nur einmal, sondern gleich zweimal, bevor der den Ball weiter an Gallas schob, der dann den Ball ins Netz köpfte. Die Franzosen jubelten, die Iren beschwerten sich, der Schiedrichter beriet mit seinem Assistenten und entschied dann auf Tor zum 1-1. Eine ganz ganz krasse Fehlentscheidung. Irland ist damit draussen und Frankreich nimmt an der WM 2010 in Südafrika teil.

Die „besten“ Szenen spielten sich danach ab. Thierry Henry ging bei allen seinen ehemaligen Kumpels vorbei (Henry spielte lange bei Arsenal London) und es sah so aus als ob er ihnen sagen würde: „Nix für ungut, Jungs, wir sind ja alle Profis und ich musste das halt tun“.

Ihr fragt Euch nun wohl, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Ganz einfach. Das hier ist ein ganz klares Plädoyer für den Videobeweis.

Der Joseph Blatter, ein Walliser (also Schweizer) und seines Zeichens Präsident der FIFA, also der obersten Fussballbehörde, der wehrt sich vehement gegen den Videobeweis. Mit welcher Begründung? Das sei gegen den Sinn des Spieles und würde den Spielfluss rausnehmen.

Statt dessen riskiert der Blatter, dass der Fussball in der Versenkung aus Korruption und Manipulation versinkt. Dabei wäre alles so einfach. Die Spiele werden eh von 20 Kameras mitverfolgt, die alle Teile des Spielgeschehens aufnehmen. Man hat jetzt statt vier Offiziellen, sogar noch mit zwei Torrichtern experimentiert. Warum setzt man nicht einfach einen Videorichter ein, der in Windeseile und anhand der Fernsehbilder dann eine informierte Entscheidung treffen kann. Das dauert nicht länger als 2 Minuten pro Entscheidung und wenn man jeder Mannschaft pro Halbzeit maximal einen Videobeweis einräumt, dann liegt man bei einem Nettozeitverlust von ungefähr 10 Minuten. Das ist ein Klacks dagegen, was krasse Fehlentscheidungen an Geld kosten können … und geradezu lächerlich, wenn man bedenkt, dass dadurch Wettskandale verhindert werden können.

Nach jetziger Auslegung der Regeln kann eine grobe Unsportlichkeit, wie sie Thierry Henry begangen hat, noch nicht einmal im Nachhinein bestraft werden. Und da es eine Tatsachenentscheidung war, lässt sich auch der Ausgang des Spieles nicht mehr rückgängig machen.

Also, Herr Blatter, seien Sie mal modern … Hören Sie auf sich hinter Ihrem Traditionalistentum zu verstecken und seien Sie mal ein bisschen modern. Oder wollen Sie wirklich das Bild eines verbohrten, zurückgebliebenen Schweizers in die Welt raussenden?

Der Videobeweis muss sein, um Betrug, Unsportlichkeit und Manipulation zu vermeiden. Besser früher als später.

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