Für und Wider Beschneidung

Heute lief mal wieder ein Beitrag zum Thema Beschneidung. Ist das nun Körperverletzung oder nicht.

Es steht völlig ausser Frage, dass Religionen die Beschneidungen für kleine und grosse Jungen als „Aufnahmeritual“ vorsehen. In Westeuropa herrscht Religionsfreiheit. Für mich heisst das, jeder darf seine Religion so praktizieren, wie es die Religion selber verlangt.

Damit stossen wir aber auch schon an die Grenzen der Religionsfreiheit. Denn in unserer Gesellschaft endet die Freiheit des einen an der Freiheit des anderen.  Mit welchen Konsequenzen? Beschneidungen von Mädchen werden geächtet, Burka Tragen wird verboten oder in Frage gestellt, Schächten verstösst gegen das Tierschutzgesetz, Kreuze werden aus Schulzimmern entfernt … das sind nun einige Beispiele dafür, wo man einen Kompromiss zwischen Religionsfreiheit und der Freiheit des einzelnen gefunden hat.

Wie ist das nun mit Beschneidungen? Ausser Frage steht, bei einer Beschneidung wird die körperliche Versehrtheit eines Babys, was sich nicht dagegen wehren kann,  beeinflusst. Eine Beschneidung ist medizinisch in den meisten Fällen nicht ntowendig und sie kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Eine christliche Taufe hinterlässt viel weniger Spuren … ein bisschen Wasser über den Kopf laufen lassen … das sieht mach schon ein paar Minuten danach nicht mehr … eine Beschneidung trägt ein Mensch das ganze Leben mit (ohne) sich rum.

Die grosse Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist ja die folgende: Wenn man einem Menschen erlaubt, einem anderen Menschen ohne dessen Zustimmung und ohne medizinische Indikation dauerhaft Schaden an der körperlichen Unversehrtheit begehen zu lassen, wo zieht man rechtlich die Grenze.

Wie kann man es vermitteln, dass eine Ohrfeige strafbar ist, aber eine Beschneidung nicht? Warum soll man dann die weibliche Beschneidung verbieten? Und was ist mit Ohrlochstechen, Baby-Schütteln, oder Vergewaltigung aus religiösen Gründen? Und wie kann man das eine erlauben, ohne das andere gleich mit zu erlauben?

Dass die jüdische Gemeinschaft ein Verbot der Beschneidung mit einer Vertreibung der jüdischen Glaubensangehörigen aus Deutschland gleichzusetzen, finde ich persönlich zu krass. Das ist aber eine Drohung (oder ist es als Erpressung gedacht?), die in der deutschen Gesellschaft Alarmglocken läuten lässt.

Ich persönlich finde, dass Beschneidung nicht geht. In der heutigen Gesellschaft muss man jedem die Wahl seiner Religion selber überlassen. Und wenn das bedeutet, jahrtausendalte religiöse Riten den heutigen rechtlichen Gegebenheiten anzupassen, dann müssen diese Riten halt angepasst werden. Wenn man die Todesstrafe abschaffen, und die Wahlfreiheit für Religionszugehörigkeiten in Deutschland einführen kann, warum kann man dann nicht die Beschneidung mit 14 einführen?

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